Schloss Plaue GmbH Kopfzeile
Eroeffnung der Natureisbahn am Samstag, den 4.2.2012 um 11 Uhr! + + + Eintritt frei! + + + Neu: Schlittschuhverleih Groesse 37 bis 46.

Schlossstraße 27 a
14774 Brandenburg an der Havel / Plaue

Schloss Logo Schloss Plaue Plaue Tel.: 0 33 81 - 28 53 60
Fax: 0 33 81 - 28 53 40

Info@SchlossPlaue.de
http://www.SchlossPlaue.de


Theodor FontaneTheodor Fontane
Heinrich Theodor Fontane (geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, gestorben am 20. September 1898 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller und approbierter Apotheker. Er gilt als bedeutendster deutscher Vertreter des poetischen Realismus. Eines seiner bekanntesten Gedichte ist "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" von 1889.

Ab etwa 1860 widmete sich Fontane der Reiseliteratur, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen regelrechten Boom erlebte, da sich nur wenige Menschen das Reisen leisten konnten. Es erschienen die ersten Artikel über seine Heimatstadt Neuruppin. Aus den Reiseberichten, angereichert mit Geschichte und Geschichten, entstand 1861 das Büchlein "Grafschaft Ruppin", das bereits ein Jahr später die zweite Auflage mit dem Obertitel "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" erhielt. Das Wanderungswerk bildet die Grundlage für das spätere epische Schaffen Fontanes.

Fontane besuchte Plaue viele Male, zum ersten Mal 1874. Schloß Plaue befand sich seit 1839 im Besitz der Grafen Königsmarck. Dem Schloss gegenüber aber, auf der anderen Seite der Havel, hatte Carl Ferdinand Wiesike (1798-1880) seinen Wohnsitz, der ein begeisterte Anhänger Schopenhauers war. Mit Fontane verband ihn eine sehr enge, bis zu seinem Lebensende anhaltende Freundschaft. Schon der erste mehrtägige Aufenthalt Fontanes im Mai 1874 gab ihm Gelegenheit, den alten Herrn Wiesike sowie dessen Besitz und Lebensgewohnheiten kennen zu lernen. Weitere Fahrten nach Plaue folgten im Juni oder Juli 1875, im Sommer 1876 und Anfang August 1877 (in seinem Tagebuch vermerkt er für diesen Besuch ausdrücklich: „Schopenhauer-Studien"); auch in den nächsten Jahren wurde Wiesike immer wieder von Fontane aufgesucht: im April 1878, im Mai 1879 und, wenige Monate vor dem Tode Wiesikes, nochmals im April 1880.
Wiesike machte Nachbarn und Freunde mit der Lehre Schopenhauers bekannt, so auch die Gräfin Königsmarck "vom Schlosse gegenüber", die im Sommer 1857 mit einer Standesgenossin in Frankfurt reiste und Schopenhauer persönlich aufsuchte. Wiesike pflegte den Geburtstag Schopenhauers stets in gebührender Form zu feiern. 1874 nahm Fontane erstmals an einer solchen Feier teil und beschrieb sie ausführlich im 6. Kapitel "Schloss Plaue gegenüber".

Nachfolgend Auszüge aus seinem Werk "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und dem 1889 erschienen Fortsetzungsband V. unter dem Titel Fünf Schlösser. Im Kapitel "Plaue a. H". schreibt Theodor Fontane u.a. im 1., 5. und 6. Kapitel über das Schloss Plaue:

1. Kapitel     Plaue von 1414 bis 1620.     Kurfürstliche Zeit und Zeit der Saldern und Arnims


1414, den 26. Februar, fiel die Quitzowburg Plaue ihren Belagerern, dem Burggrafen Friedrich und dem Erzbischof von Magdeburg, in die Hände, nachdem schon am Tage vorher Johann von Quitzow bei seinem Fluchtversuche gefangengenommen und in der Kirche zu Plaue in den Stock gesetzt worden war. Tags darauf einigten sich die Sieger über einen Befehlshaber, einen Schloßhauptmann, für das von ihnen gemeinschaftlich eroberte Schloß. Ihre Wahl bestallte dazu den Ritter Günzel von Bartensleben für die Dauer eines Jahres. Er mußte vor den Fürsten eidlich geloben, »das Schloß getreulich bewahren und beschirmen zu wollen, zu Beider Lande Nutz und Frommen«. Hierdurch wurde von dem früheren Plane, die Burg von Grund aus zu brechen, Abstand genommen. Aber schließlich erfolgte dies »Niederlegen« doch, nachdem ein von beiden siegreichen Parteien (Mark und Magdeburg) bei Gelegenheit neuer Eifersüchteleien angerufenes Schiedsgericht dahin entschieden hatte, daß die »Zubehörungen« von Plaue, will sagen alle Dörfer, Äcker, Forsten usw. zwischen der Mark und Magdeburg geteilt, die Befestigungswerke der Burg aber unverzüglich zerstört werden sollten. Was denn auch, so gut es sich tun ließ, ausgeführt wurde.

Der Ort Plaue blieb bei der Mark.

Von diesem Zeitpunkt an gab es keine Plauer Schloßhauptmannschaft mehr, weil das »Schloß«, das einer solchen als Voraussetzung diente, nicht mehr vorhanden war. Anstelle der Schloßhauptmannschaft trat nunmehr eine Amtshauptmannschaft mit dem Rechte der Zollerhebung. 1459 war es Georg von Waldenfels, dem, durch Kurfürst Friedrich Eisenzahn, ein Privilegium21 verliehen wurde, kraft dessen er den Brücken- sowie Land- und Wasserzoll erheben durfte, mit dem Zusatze, »daß zwischen Brandenburg und Rathenow keine andere Brücke außer der Plauer über die Havel führen, auch keine Fähre gehalten werden solle.«

Der Ertrag dieses Zolles war ein bedeutender, und die Plauer Brücke blieb, bis in unsere Tage hinein, eine von Pächtern viel begehrte Zollstätte. Der letzte dieser Pächter, wie hier vorgreifend erzählt werden mag, hieß Gerimsky, ein Original. Neben seinem Zollhause stand ein Schuppen und in diesem Schuppen ein immer gesatteltes Pferd. Weh dem Handwerksburschen, der, im vermeintlichen Schutz eines Platzregens oder mit Hilfe der Dämmerung, ohne Zoll über die Brücke zu kommen hoffte. Gerimsky warf sich auf seinen Klepper, jagte ihm nach und ruhte nicht eher, bis er den Feind gestellt und im Unvermögensfalle gepfändet hatte. Dabei gab es nichts, was von ihm verschont worden wäre. Bei seinem Tode hinterließ er eine Truhe voll aufgestapelter Handwerksburschen – Mützen.

Plaue war kurfürstliches Amt und blieb es bis 1560, um welche Zeit es, wohl infolge beständiger Geldverlegenheiten des zweiten Joachim, pfandweise von Matthias von Saldern erstanden wurde. Die Witwe desselben stiftete später die Saldernsche Schule zu Brandenburg. 1577 ging Plaue (nunmehr durch Kauf) aus kurfürstlicher Hand in die Hände der Brüder Kurt und Behrend von Arnim auf Boitzenburg und Gerswalde über. Die Arnims besaßen es dreiundvierzig Jahre, welche Zeit, neben anderm, auch der Ausschmückung der Plauer Kirche zugute kam. Ein alabasternes Epitaphium von hervorragendem Kunstwerte, mit Darstellungen aus der heiligen Geschichte: »Kreuzigung« (unten die Donatoren) schmückt jetzt den Altar. Die ursprüngliche Inschrift, die Auskunft geben würde, von wem er errichtet wurde, ist leider verlorengegangen. Unter den andern noch vorhandenen Grabsteinen ist nur der letzte, der dem Sohn und Erben Kurt von Arnims errichtet wurde, von Bedeutung. Er trägt folgende Inschrift: »1620 den 15. Juli ist der edle, gestrenge und ehrenfeste Leonhard von Arnim in Gott selig entschlafen, seines Alters 36 Jahre 13 Tage. Deß Seele Gott gnädig sei«.


5. Kapitel     Plaue von 1839 bis jetzt.     Graf Königsmarcksche Zeit

1839 starb die Baronin von Lauer-Münchhofen und im selben Jahre noch erstand Hans Valentin Ferdinand Graf von Königsmarck Schloß Plaue. Zehn Jahre später, 1849, folgte der älteste Sohn, Hans Karl Albert von Königsmarck, im Besitz. Er war Wirklicher Geheimrat, Gesandter in Konstantinopel, und starb 1876. Gegenwärtiger Besitzer ist Graf Karl Hans Konstantin, geb. 1839 zu Konstantinopel, vermählt mit Leontine Gräfin von Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Schloß Plaue, wie sich's gegenwärtig präsentiert, ist, in seiner äußeren Erscheinung, noch immer der Bau, den Friedrich von Görne zwischen 1711 und 1715 hier entstehen ließ und von dem wir, mit Hilfe der Pastor Löseckeschen Aufzeichnungen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, bereits eine Beschreibung gaben. Aber so wenig in dieser äußeren Erscheinung geändert wurde, das Innere des Schlosses hat doch erhebliche Veränderungen erfahren, am meisten in bezug auf Ausstattung einiger schon durch ihren Umfang in Betracht kommenden Räumlichkeiten.

Einen Hauptteil des auf die Havel blickenden Korps de Logis nehmen, in Erdgeschoß und erstem Stock, zwei große Säle ein, deren Unmittelbar anschließende Räume, rechtwinklig einbiegend, sich in einer langen Zimmerreihe beider Schloßflügel fortsetzen.

Der Saal im Erdgeschoß dient als Familien- und Empfangszimmer und der schönen Lage desselben entspricht denn auch seine Herrichtung und Ausschmückung. Es finden sich hier Familienporträts von Meisterhand: Graf Hans Karl Albert von Königsmarck, Gesandter in Konstantinopel, und Gräfin Jenny von Königsmarck, geb. v. Bülow, beide vom Professor Karl Sohn; ferner ein junger Graf von Königsmarck, Sohn des Gesandten in Konstantinopel, in der Uniform der Gardehusaren (dieser junge Graf Königsmarck starb früh; in der Kirche zu Plaue steht er, in ganzer Figur, in einem in Erz ausgeführten gotischen Monument); ferner Familiengruppenbild: Söhne und Töchter; endlich ein kleines Damenporträt über dem Kamin, wahrscheinlich von Wach oder Krüger herrührend, durch besondere Schönheit ausgezeichnet.

Über diesem Saal im Erdgeschoß befindet sich ein gleich großer Raum im ersten Stock, der vor etwa zwanzig Jahren in einen Ahnen- oder Rittersaal umgewandelt wurde. Zu vier in den vier Ecken aufgestellten Ritterfiguren gesellen sich vier Porträts, den Hauptinhalt aber bilden acht große Tableaus, die hervorragende Taten aus der Geschichte der Königsmarcks darstellen. Drei derselben veranschaulichen wenig bekannte Szenen aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert, weshalb es schwer ist, sich ohne Kommentar oder Führer in ihnen zurecht zu finden. Desto leichter gelingt dies bei den verbleibenden fünf Tableaus, die sämtlich Szenen aus einer scharf abgegrenzten Epoche, will sagen aus dem siebzehnten Jahrhundert, zur Darstellung bringen, in welchem Jahrhundert der Ruhm der Familie gipfelt. Ja, fast ließe sich sagen, er beginnt und schließt mit ihm. Die Königsmarcks nehmen dadurch eine Sonderstellung innerhalb unseres märkischen Adels ein, von dem vielleicht gesagt werden darf, daß er, in bezug auf Ruhm, in vier bestimmte Kategorien zu bringen sei. Da haben wir: 1. Die Nieberühmten. Hier verbietet es sich selbstverständlich, Namen und Beispiele zu geben, trotzdem es mir feststeht, daß jene Schlichten und Einfachen, die sich auf Erfüllung nächstliegender Pflichten beschränkten, vielfach die Besten und Segensreichsten gewesen sind. 2. Die nur einmal in einer Einzelgestalt oder aber in einem Bruderpaar berühmt Gewordenen. Hierher gehören: Illo, Sparr, Görtzke, Brand, Katte, Buch, Hagen, Zieten, Schlabrendorf, Marwitz, Finckenstein, Knesebeck, Bismarck, und als Bruderpaare: die Quitzows, die Humboldts, die Bülows, welche letzteren sich freilich mit gleichem oder noch größerem Rechte der nun folgenden dritten Gruppe gesellen. 3. Die vielfach und fast durch alle Jahrhunderte hin Berühmtgewesenen, wie die Schulenburgs, Alvenslebens, Arnims und Schwerins und in zweiter Reihe: die Putlitze, Bredows und Rochows. 4. Die nur durch ein Jahrhundert, aber in diesem einen Jahrhundert auch durch alle drei Generationen hin Berühmtgewesenen. Hierher gehören einzig und allein die Königsmarcks. Daß wir diese königsmarcksche Berühmtheit im ganzen genommen wenig gegenwärtig haben, so wenig, daß wir uns auf dieselbe sozusagen immer erst besinnen müssen, hat darin seinen Grund, daß sie – wiewohl der Mark entstammend – ihren eminenten Ruhm durchaus in fremden Ländern und unter fremden Fahnen errungen haben. Was davon auf Mark Brandenburg oder Preußen kommt, ist nicht allzuviel.

Und nach diesen Vorbemerkungen wenden wir uns nunmehr dem, wie schon hervorgehoben, ausschließlich im siebzehnten Jahrhundert wurzelnden und hier, in fünf großen Tableaus veranschaulichten Ruhme der Familie zu.

Der Inhalt dieser fünf großen Tableaus ist der folgende:

1. Tableau. Hans Christoph Graf von Königsmarck, geb. am 4. März 1600 auf Schloß Kötzlin in der Priegnitz, erobert am 26. Juli 1648 die Kleinseite von Prag. Schlußakt des Dreißigjährigen Krieges.

Hans Christoph, schwedischer Generalfeldmarschall und Graf zu Westerwyk und Stegholm, wurde, nach erfolgtem Friedensschlusse, zum Gouverneur der schwedisch gewordenen Herzogtümer Bremen und Verden ernannt und baute sich ein Residenzschloß zu Stade, das er seiner Gemahlin, der schönen Agathe von Lehsten zu Ehren, die Agathenburg nannte. Sein Tod aber erfolgte nicht zu Stade, sondern zu Stockholm, am 8. März 1663. Er starb daselbst an den Folgen einer Hühneraugenoperation, nachdem er in vierzig Schlachten und Belagerungen allen Gefahren glücklich entgangen war. Er soll eine jährliche Rente von 130000 Talern gehabt haben. Für jene Zeit eine enorme Summe.

2. Tableau. Kurt Christoph, Graf von Königsmarck (Sohn von Hans Christoph), geb. 1634, fällt als Generalleutnant der holländischen Armee beim Sturm auf die Bonner Schanze, 11. November 1673.

Kurt Christoph Graf Königsmarck war vermählt mit Maria Christine von Wrangel, des Feldmarschalls Herrmann von Wrangel Tochter. Er residierte mit ihr auf der Agathenburg. 1656 nahm er auf schwedischer Seite ruhmreichen Anteil an der dreitägigen Schlacht vor Warschau.

3. Tableau. Otto Wilhelm, Graf von Königsmarck (ebenfalls ein Sohn Hans Christophs), geb. 1639 zu Minden, venezianischer Generalissimus, beklagt es, das von den Türken verteidigte Athen, samt seinem Parthenon, einem Bombardement unterwerfen zu müssen. 1687.

Otto Wilhelm Graf Königsmarck war seit 1682 mit Gräfin Katharina Charlotte de la Gardie, Tochter des Reichsobersten Grafen Magnus Gabriel de la Gardie, vermählt. Im selben Jahre (1682) hatte er eine Sammlung geistlicher Hauslieder und Andachtsübungen in Druck erscheinen lassen. 1683 ging er nach Wien und Ungarn und trat bald danach in den Dienst Venedigs und zwar als »Generalissimus gegen die Türken«. Während der Seeheld Morosini sich der Insel Santa Maura bemächtigte, landete Graf Otto Wilhelm in der Bucht von Navarino. Patras, Lepanto, Korinth wurden genommen, endlich, nach erfolgtem Bombardement, auch Athen. Hier verbrachte Graf Königsmarck den Winter 1687 auf 1688 »unter den Trümmern griechischer Kunst« und beschloß, gleichzeitig mit Morosini, den Angriff auf Negroponte. Bis diesen Tag existiert ein venezianisches Volkslied, in dem es heißt: »Königsmarck und Morosini verspeisten die Türkei, Blatt um Blatt, wie eine Artischocke«. Vor Negroponte starb er, der Pest erliegend, 15. September 1688.

4. Tableau. Hans Karl, Graf von Königsmarck (ältester Sohn Kurt Christophs und der Maria Christine von Wrangel) steht vor Ludwig XIV. und lehnt es, trotz glänzender Anerbietungen, ab, seinen protestantischen Glauben zu wechseln.

Hans Karl Graf von Königsmarck wurde den 5. Mai 1659 zu Nyborg auf Fühnen geboren. Wie sein Oheim Otto Wilhelm, entschloß er sich gegen die Ungläubigen zu fechten und erhielt vom Ordensgroßmeister auf Malta die Erlaubnis, eine Türkenexpedition mitzumachen. Er zeichnete sich bei den nun statthabenden Kämpfen derartig aus, daß ihn der Großmeister feierlich in den Orden aufnahm, ihn, einen Ketzer und Enkel des berühmten Protestantenhelden aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Ein französischer Schriftsteller sagt: »Man kann an der Größe dieser Belohnung ermessen, welche Dienste der Jugendliche Königsmarck dem Orden geleistet haben mußte.« Von Malta begab sich Hans Karl von Königsmarck nach Venedig. Hier soll sich eine Gräfin von Southampton sterblich in ihn verliebt und ihn, als Page verkleidet, auf seiner Reise nach Madrid und Paris begleitet haben. 1681 sehen wir ihn in London, wo er, um eben jener Lady Southampton willen, eine Menge Zweikämpfe zu bestehen hatte. In Frankreich, in dessen Dienst er nunmehr tritt, wird er vor Courtrai verwundet und bald danach ein Gegenstand der Auszeichnungen seitens König Ludwigs XIV.; als dieser ihn aber auffordert, ein Kommando gegen die Hugenotten zu übernehmen und katholisch zu werden, erwidert er: »Welch Vertrauen vermöchten Ew. Majestät in mich zu setzen, wenn ich gegen Gott untreu würde.« Von Frankreich ging er nach Morea, um hier, an der Seite seines Oheims Otto Wilhelms eine gegen Argos geplante Expedition mitzumachen. Dabei fand er den Tod. Er starb an einem hitzigen Fieber, erst sechsundzwanzig Jahre alt. Der Oheim, der zwei Jahre später der Pest erlag, sandte die Leiche nach Stade, wo sie beigesetzt wurde. 1686.

5. Tableau. Philipp Christoph, Graf von Königsmarck (jüngster Sohn Kurt Christophs und Bruder Hans Karls von Königsmarck) nimmt Abschied von der Erbprinzessin von Braunschweig-Lüneburg und wird kurz darauf in den Gängen des Schlosses von Hannover ermordet.

Philipp Christoph von Königsmarck, geboren 1662, war seit seinen Kindertagen mit Sophie Dorothea, Erbprinzessin von Braunschweig-Lüneburg, befreundet. Sechzehn Jahre alt, vermählte sich diese mit ihrem Vetter, dem Kurprinzen Georg Ludwig von Hannover, dem späteren Könige Georg I. von England. Die Ehe war nicht glücklich. Philipp Christoph von Königsmarck ging in die Welt und beteiligte sich an verschiedenen Kriegszügen. Von 1688 an aber erkor er, wenigstens zeitweise, Hannover als Aufenthaltsort und lebte daselbst mit fürstlichem Aufwande, was ihm sein Reichtum gestattete. Denn er war Erbe von Oheim und Bruder, die, wie schon erzählt, 1686 und 1688 vor Argos und Negroponte den Tod fanden. Zu seinem (Philipp Christophs) Hausstande gehörten neunundzwanzig Diener und zweiundfünfzig Pferde. Seine früheren Beziehungen zur Erbprinzessin wurden wieder aufgenommen und weckten nicht nur die Eifersucht des Kurprinzen, sondern auch den Neid der Gräfin Platen, einer Mätresse des Kurprinzen. Ein Herr von Podewils, kurhannoverscher Feldmarschall, unterließ es nicht, dem Grafen Philipp Christoph die Gefahren seines Verhältnisses zur Prinzessin Sophie Dorothea vorzustellen. Umsonst. Endlich gab Philipp Christoph der immer wieder laut werdenden Warnerstimme nach und traf Vorbereitungen, um in kursächsische Dienste zu treten. Am 1. Juli 1694 begab er sich in das Schloß zu Hannover, um hier von seiner Freundin, der Kurprinzessin, Abschied zu nehmen. Er verließ das Schloß nicht mehr. In einem Korridore traten ihm vier Hellebardiere entgegen, die sich bis dahin hinter einem Schornstein verborgen gehalten hatten, und im Kampf gegen diese gedungenen Leute fiel er. Seine Leiche versenkte man in einen senkrecht durch die ganze Höhe des Schlosses laufenden Kanal und mauerte diesen zu. Zwei der Hellebardiere, Buschmann und Lüders, haben die Tat auf ihrem Sterbebette gebeichtet. Die Gräfin Platen war Anstifterin des Ganzen – der Kurprinz (zur Zeit des Mordes auf Besuch in Berlin) hatte nur schweigend zugestimmt. Das Aufsehen, das die Tat hervorrief, war groß und die Gräfin Platen wurde Gegenstand allgemeinen Hasses. Ein Volkslied, dem ich einige Strophen entnehme, gab dieser Stimmung Ausdruck.

Wer geht so spät zu Hofe,
Da alles längst im Schlaf?
Im Vorsaal wacht die Zofe –
Schon naht der schöne Graf.
Er sprach: »Eh' ich nach Frankreich geh',
Muß ich sie noch umarmen,
Prinzessin Dorothee.«

Gräflein, du bist verraten,
Verraten ist dein Glück,
Die böse Gräfin Platen
Ersann ein Bubenstück.
Du schalt'st sie eine Wetterfahn',
Sie tät dir gern viel Liebes,
Nun ist's um dich getan.

Er ging zur ew'gen Ruhe
Mit vielen Schmerzen ein,
Doch ward in keine Truhe
Gebettet sein Gebein.
Ich weiß nicht, wo er modern mag,
Doch wird er einst erscheinen
Am Auferstehungstag.

So (mit Umgehung der drei minder wichtigen) die fünf großen Tableaus im Ahnensaale zu Schloß Plaue.

Zwischen ihnen und dem Plafond befinden sich, friesartig, wie in einem der bekannten Staatssäle zu Venedig, acht Kniestücke minder interessanter alter Königsmarcks, die jedoch, was ihre historische Beglaubigung angeht, weniger an die Dogenmedaillonporträts in Venedig, als an die lediglich aus der Phantasie geschöpften Königsbilder im Schlosse zu Holyrood erinnern.

Wir treten hiernach aus dem Ritter- und Ruhmessaale der Königsmarcks in den Vorflur zurück und fragen: wie wirkt dieser Ruhmessaal?

Der Unbefangene wird von diesen bildlichen Verherrlichungen der Familie keinen besonders befriedigenden Eindruck empfangen, nicht weil es an der Berechtigung zu solcher Verherrlichung fehlte (diese ist vielmehr außer allem Zweifel), sondern lediglich weil es dem hier Gebotenen an dem Kunstmaße gebricht, das man, glaub' ich, heutzutage bei Neuschöpfungen der Art fordern darf. Sind solche Galerien aus alter, unkritischer Zeit her mit herübergenommen, so hat man sie nicht nur gelten zu lassen, sondern, wie gering auch ihr Kunstwert sein möge, sich ihrer aufrichtig zu freuen, ja sie mit ganz besonderer Pietät zu hegen und zu pflegen. Läßt man aber in unserer Zeit ein Ruhmesmuseum neu erstehen, so muß es eine Gestalt annehmen, die den Kunstanforderungen unserer Zeit und dem Reichtum und Ruhme der Familie gleichmäßig entspricht. Die großen Tableaus aber bleiben gleichmäßig hinter dem allen zurück. Unsere besten Künstler wären zur Verherrlichung dieser Königsmarckschen Historie gerade gut genug gewesen, und in derselben Weise, wie das letztverstorbene gräfliche Paar von der Hand Karl Sohns – also eines damals nahezu besten Porträtmalers – gemalt wurde, wie der Bruder des gegenwärtigen Grafen Königsmarck ein erzenes Monument in der Kirche zu Plaue fand, mußten auch die berühmten Ahnen, samt dem, was sie groß machte, durch wirkliche Meister der Historienmalerei dargestellt werden. »Noblesse oblige.« Danach ist der Adel unseres Landes auch meistens verfahren, besonders wenn wir zurückblicken. Wie schön, beispielsweise, die Standbilder, die sich in unseren Stadt- und Dorfkirchen reichlich vorfinden: der Sparrs in der Marienkirche zu Berlin, der Arnims in Rheinsberg, der Schlabrendorfs in Brandenburg, der Quitzows in Rühstädt und Kletzke, der Schulenburgs in Salzwedel, der Schönings in Tamsel. Aber auch die Gegenwart empfindet im wesentlichen ebenso, und die Jagows, die Itzenplitze, die Zietens, Massows, Hertefelds und Rombergs usw. haben ihre Schlösser, Parks und Begräbnisstätten mit dem Besten geziert, womit man sie zieren konnte.

Was Schloß Plaue von Bilderschätzen besitzt, beschränkt sich übrigens keineswegs auf die beiden großen Säle, – die Görnesche Zeit hat Sorge getragen für Bilderausschmückung des Schlosses überhaupt. Ganze Zimmerreihen sind geradezu überfüllt, und rechnet man alles, was einen Rahmen trägt, so werden sich wohl tausend Nummern zusammenfinden. Aber freilich, nur wenig ist da, was nach irgendeiner Seite hin, ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen könnte. Voran steht ein getäfeltes Zimmer, in dessen Felder allerlei Arbeiten aus der kurzen Glanzzeit der Plauer Porzellanmanufaktur eingelassen wurden, Arbeiten, die der Vandalismus von Anhalts aus nicht aufgeklärten Gründen zu schonen für gut fand. Es sind das, bunt durcheinander, chinesische Karikaturen, mythologische Figuren, Arabesken, Blumensträuße, groteske Tierformen und Lieblingsgestalten aus dem italienischen Lustspiel, – alles überaus wirkungsvoll zusammengestellt. Es heißt, die Gesamtheit dieser Dinge rühre von David Bennewitz, dem Direktor der Fabrik, her, dessen Erfindungs-, Zeichen- und Kompositionstalent gleich groß war. Außerdem sind Brustbilder der Gemahlin Friedrich Wilhelms I. und der drei ältesten Prinzessinnen: Wilhemine, Friederike und Ulrike, samt den Porträts ihrer Hofdamen, in die Täfelung eingelassen, woraus man schließt, daß dies das Zimmer sei, das, bei den sich öfters wiederholenden Besuchen Friedrich Wilhelms I. in Plaue, von diesem mit Vorliebe bewohnt zu werden pflegte. Fest steht nur, daß Kronprinz Fritz eben hier von seinem Vater zum Kapitän ernannt wurde. Dies geschah auf der Rückkehr von einer in Magdeburg abgehaltenen Revue, Donnerstag nach Kantate, wo der König mit dem Kronprinzen bei Minister von Görne zu Mittag speiste.

Von dem, was sonst noch an Kunstwerken im Schlosse vorhanden ist, nenne ich an dieser Stelle nur noch zwei Porträts, in Öl und in Pastell, des preußischen Ministers von Struensee, Bruders des unglücklichen Grafen Struensee in Kopenhagen. Das Pastellbild gilt für wertvoll. Auch von der Gräfin Aurora von Königsmarck, der der Ahnensaal verschlossen blieb, sind in den Nebenzimmern zwei Bildnisse vorhanden: eines aus ihrer Schönheitszeit mit einem Diamanthalbmond auf dem Haupte, das andere aus ihren alten Tagen als Äbtissin von Quedlinburg.

Zu dieser Bilderausschmückung gesellen sich überall Bannerträger, Wappen und Inschriften, unter welch letzteren die mehrfach wiederkehrende Devise »Noblesse oblige« besonders hervorleuchtet.

Auch eines Söllers oder Balkons sei noch gedacht, von dem es heißt, daß er, seitens des 1876 verstorbenen Grafen Hans Karl Albert von Königsmarck, in einer durch den Blick über die Havel und den Plauenschen See wachgerufenen Erinnerung an Konstantinopel erbaut worden sei. Wenn dem wirklich so sein sollte, so wird es freilich auch von dem begeistertsten Anhänger märkischer Landschaft kaum bestritten werden können, daß damit ebenso dem Aussichtsbalkone wie der Havel selbst eine ziemlich schwierige Aufgabe gestellt worden war.


6. Kapitel     Schloss Plaue gegenüber

Eine schwere Aufgabe – so schloß unser voriges Kapitel – war damit dem Königsmarckschen Aussichtsbalkone gestellt, denn von der andern Havelseite her blickte, statt Konstantinopel und des Halbmondes von der Hagia Sophia, nur das Storchnest einer Ziegelscheune herüber. Demungeachtet war das Ufer drüben eine »hübsche Stelle«, der ich es, wenn ich sie so nenne, noch nicht einmal anrechne, daß just auf ihr die Schanze stand, von der aus 1414 die »große Büchse« des Burggrafen ihre Steinkugeln gegen Schloß Plaue schleuderte.

Wie wenn es gestern gewesen wäre, steht der Tag vor mir, zu dem ich »in großer Kumpanei« zum ersten Male auf diese Schloß Plaue gegenüberliegende Ziegeleistelle zufuhr. Eine lange Wagenreihe, die Damen in eleganter Toilette, so kamen wir, um Pfingsten, die staubige Sommerchaussee von Brandenburg daher, und ehe Mittag heran war, hielten wir – unmittelbar vor der Plauer Brücke links einbiegend – auf einem Vorplatz, zu dessen einer Seite sich die vorgenannte Storchenscheune, zur anderen ein primitives Wohnhaus erhob. In der Haustür aber stand ein alter Herr, in leichter sommerlicher Tracht, mit hoher Stirn und hohen weißen Vatermördern, dazu von breitem Bau und mit noch breiteren Lippen und begrüßte seine Gäste, während herzueilende Dienstleute sich der Reisetaschen und Köfferchen bemächtigten und mit ihnen in einem unmittelbar angrenzenden, weinumrankten Logierhause verschwanden. Bald danach schlenderten wir in dem die Villa samt ihren Annexen umgebenden Parkgarten umher und lugten, von diesem Spaziergange heimkehrend, in die Fenster eines großen, erst neuerdings angebauten Gartensaals, wo sich schon die Vorbereitungen zu festlicher Bewirtung zeigten. Und abermals eine Stunde später und wir saßen in eben diesem Saale zum Dejeuner nieder, an lang gedeckter Tafel, an der der alte Herr jetzt präsidierte. Die Gänge wechselten, die Rheinweine lösten sich untereinander ab und der silbernen Weinkühler auf dem Tisch wurden immer mehr. Trinkspruch reihte sich an Trinkspruch. Der Sieg der Wahrheit, der Sieg »der guten Sache« wurde proklamiert, alles unter der Fahne »Similia similibus«, und nachdem schließlich der Kaffee von allen Seiten her als das Hauptgift der Menschheit festgestellt worden war, schritt man dazu ihn einzunehmen. Die Stunden enteilten und mit ihnen zuletzt auch wieder die Gäste. Nur ich und ein Freund, der mich eingeführt hatte, waren als ›Logierbesuch‹ zurückgeblieben.

Wer aber war der Wirt? Wer der Einsiedler in diesem Sanssouci?
Schloss Plaue GmbH eine Seite zurück eine Ebene höher SuchenSitemapdiese Seite drucken Startseite eMail-Kontakt